Alles Kohl: „Krautmeister“ Hubert Nickels trägt einer Mitarbeiterin eine von ihm selbst entwickelte Hautcreme auf. FOTO: DPA

„Krautmeister“ Hubert Nickels stellt aus Weißkohl alle möglichen Produkte her

Von Wolfgang Schmidt

WESSELBUREN. Kohlrouladen und Sauerkraut kennen alle, Kohlpudding zumindest jene, die sich Europas Kohl-Mekka Dithmarschen schon einmal kulinarisch genähert haben.
Es gibt auch Sauerkraut-Saft, Weißkohl-„Fruchtaufstrich“, Kohlbrot und Gemüsemix auf koreanische „Kimchi“-Art – überzeugte „Kohlianer“ haben dies alles schon probiert. Dass Kohl aber auch gegen Hautprobleme helfen soll, wissen wohl nur jene, die auf die Erfindungen von Hubert Nickels schwören. Während der gerade laufenden alljährlichen Kohltage erzählt der „Krautmeister“ im nahe der Nordseeküste gelegenen „Kohlosseum“ in Wesselburen noch mehr Besuchern als sonst, dass er auch eine Salbe gegen Schuppenflechte, Gürtelrose oder Neurodermitis im Angebot hat und ebenso ein Shampoo gegen Kopfjucken und Schuppenflechte.
Bio-Weißkohlsaft ist der entscheidende Bestandteil der Mittel, die der Lebensmitteltechniker nach Selbstversuchen mit Kohlblättern gegen eine Gürtelrose ersonnen hat. Aber auch wenn Nickels von der lindernden Wirkung überzeugt ist, verspricht er dennoch keine Wunder, zum Beispiel bei seinem Weißkohl-Shampoo: „Es fördert definitiv nicht den Haarwuchs“.

Täglich sechs Reisebusse mit kohlinteressierten Besuchern betreut Nickels derzeit in seiner „Krautwerkstatt“ in Wesselburen. Er
führt ihnen die von ihm erfundene Gärung des Weißkohls im Glas vor, mit der er viele wertvolle Inhaltsstoffe rettet, die sonst bei
der Erhitzung auf dem Weg zum Sauerkraut verloren gehen würden. Außerdem lässt er die Besucher vom Salat mit Mandeln, Krokant und Nüssen probieren, und er warnt davor, den vitaminreichen Kohl zerkochen zu lassen: „Es ist am gesündesten, das Kraut
roh und kalt zu verzehren“, sagt Nickels. Das kleine Museum eine Etage über der „Krautwerkstatt“ verweist auf die krebsund bakterienhemmende Wirkung von Kohl, der in Dithmarschen so präsent ist wie sonst wohl nirgendwo. 80 Millionen Kohlköpfe
– also einer für jeden Deutschen – machen die Region zum größten geschlossenen Anbaugebiet in Europa. Nur fünf Prozent davon
verspeisen die Schleswig-Holsteiner selbst. Der dickste bisher entdeckte Kohlkopf brachte mehr als 16 Kilogramm auf die Waage, berichtet Museumsleiter Achim Krumbiegel. Das muss nicht die Grenze sein, findet Kohlexperte Martin Kehl und offenbart seinen Traum: „Ich möchte mal einen Kohlkopf finden, der 20 Kilo wiegt.“

Ein großer Traum ist übrigens auch für „Krautmeister“ Nickels bislang unerfüllt geblieben. Denn natürlich hat der Erfinder diverser
Kohlprodukte sich auch schon an Kohlwein und Kohlschnaps versucht – allerdings erfolglos. Sein ebenso kurzes wie ernüchterndes
Fazit: „Schmeckt nicht“.